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Urban-Gardening-Manifest “Die Stadt ist unser Garten!”

Über 80 Garteninitiativen haben unter www.urban-gardening-manifest.de ein gemeinsames Manifest veröffentlicht. Es soll zur öffentlichen Diskussion über die Gestaltung der Zukunft der Stadt und über die Bedeutung von Gemeinschaftsgärten und Stadtnatur als Gemeingüter beitragen.

Die Initiatoren betonen, wie wichtig ein frei zugänglicher öffentlicher Raum ohne Konsumzwang für eine demokratische und plurale Stadtgesellschaft ist. Gleichzeitig fordern sie Politik und Stadtplanung auf, die Bedeutung von Gemeinschaftsgärten anzuerkennen und ihre Position zu stärken. Hier das Manifest als Video:

Der Obstbau in Linz anno 1953

Dank der Recherche der Initiative Innenhofgrün können wir euch interessante Daten zum Linzer Obstbau von 1957 präsentieren.

Das Statistischen Jahrbuch der Stadt Linz aus dem Jahr 1953 erwähnt, dass der Obstbaumbestand um die Hälfte größer war als bei der letzten Zählung 1947, jedoch um 10% niedriger als bei der letzten Zählung vor dem Krieg 1938. Als Hauptgründe werden die Zerbombung von etwa 70% des Baumbestandes 1945 und die Einwirkung des Borkenkäfers 1946 angegeben. Hier die genauen Ergebnisse der Obstbaumzählung von 1953:

Linz hat einen Bestand von 176 000 Obstbäumen. Der größte Teil davon, rund drei Fünftel, steht in Hausgärten, an denen Linz sehr reich ist. Von 11 000 Wohngebäuden hatten 6 000 Hausgärten mit Obstbäumen. Selbst im Stadtkern gibt es viele Häuser mit großen Hofgärten und Obstbäumen. Am Stadtrand sind Obstbäume im Hausgarten eine Selbstverständlichkeit. Ein Fünftel der Obstbäume befindet sich ferner in Schrebergärten. Das letzte Fünftel gehört zu landwirtschaftlichen Betrieben.

Hinsichtlich der Arten steht das Kernobst an der Spitze mit 64 270 Apfel- und 43 846 Birnbäumen. Bei Steinobst dominieren Zwetschkenbäume (24998), Marillenbäume (12314) und Pflaumenbäume (10012), während Pfirsichbäume (7821), Kirschbäume (7831) und Weichselbäume (2 122) in den Hintergrund treten. Auch Nußbäume gibt es in Linz (3 102), jedoch mehr am Stadtrand und sehr selten in Schrebergärten.

Überwacht wurden die Obstbäume vom städtischen Obstbaumwart:

Jahreszeitlich, dem Auftreten der Schädlinge entsprechend, werden laufend stichprobenweise Kontrollen in den Privatgärten durch den städtischen Obstbaumwart vorgenommen. Hiebei werden säumige Besitzer beanstandet. Bei schlechtem Kulturzustand — wodurch die Gefahr einer weiteren Verseuchung durch Borkenkäfer, Schildläuse usw. besteht — werden Pflege- und Bekämpfungsmaßnahmen angeordnet.

Kepler-Salon zum Thema Stadtbäume und Baumschutz

Am Montag dem 28.07.2014 gibt es um 19:30 einen Kepler-Salon zum Thema Stadtbäume und Baumschutz. Organisiert von Initiative „Blattform“ Natur & Stadt, Initiative „Allee Urfahrer Donaupromenade“ bleibt!, Baumrettungsinitiative LINZ und der Initiative zur Erhaltung grüner Innenhöfe im Zentrum von Linz wird zum Thema „Wer fürchtet sich vorm großen Baum? Eine Gesellschaft im Spannungsfeld zwischen Furcht und Ehrfurcht vor der Natur“ diskutiert.

Obwohl der Wert von Bäumen für Lebensqualität und Ökologie gerade in der Stadt praktisch unbestritten ist und seit den 80er Jahren einiger Freiraum für das Stadtgrün erkämpft wurde, haben es Bäume in letzter Zeit schwer: Unter dem Druck der verdichteten Bebauung und eines immer rigoroseren Sicherheitsdenkens werden alte Bäume öfter geopfert als erhalten. Wir gehen der Frage nach, welche Möglichkeiten des Baumschutzes und der Grünraumgestaltung es für eine Stadt wie Linz geben könnte.

Am Podium diskutieren dazu Achim Ehrenbrandtner (Abteilung Naturschutz des Amtes für Stadtplanung und Verkehr der Stadt Salzburg), Marcus Geyer-Grois (Arborist), Peter Langeder (Vorsitzender des ÖNORM-Komitees 229 „Grünräume“) und Erhard Gstöttner (Gastgeber).

Baumkataster 2014

Die Stadt Linz hat vor kurzem ihrem Baumkataster aktualisiert am Open Data Portal veröffentlicht. Auch auf Offene Daten Österreich scheint er mittlerweile aktualisiert auf.

Erstmals scheinen auch die Obstbäume im Donaugarten Alt-Urfahr im Baumkataster auf.

Erstmals scheinen auch die Obstbäume im Donaugarten Alt-Urfahr im Baumkataster auf.

Bis jetzt haben wir die neuen Daten noch nicht in Linz Pflückt importiert. Um trotzdem auf den aktuellen Baumkataster zugreifen zu können, zeigen wir alle Bäume auf einer Testkarte an. Zum Vergleich haben wir auch die Karte mit den Daten von 2013 erhalten.

Eine neue Funktion in der Renderingsbibliothek (Leaflet) ermöglicht jetzt auch das hineinzoomen über den von der Karte zur Verfügung gestellten maximalen Zoomfaktor hinaus. Dadurch ist es möglich, die genaue Position einzelner Bäume, wie z.B. oben im Donaugarten Alt-Urfahr, festzustellen.

Fruchtbare Böden fürs Commoning

Nachfolgend reproduzieren wir einen Beitrag aus dem Buch „Wissen wuchern lassen – Ein Handbuch zum Lernen in urbanen Gärten“. Der Beitrag stammt von Miren Artola und betrachtet Gemeinschaftsgärten aus dem Blickwinkel der Allmende.

wissen wuchern lassen

Gemeinschaftsgärten sind ein gutes Beispiel für Stadtentwicklung von unten: Menschen gründen Gärten und nehmen damit Teil an der Gestaltung von Stadtraum. So entsteht ein unkommerzieller Erholungsort, den z.B. die Nachbar*innen eines Kiezes ihren Bedürfnissen entsprechend gestalten können, das beinhaltet neben räumlichen auch immer soziale und politische Dimensionen. Diese bewusst und aktiv zu gestalten, kann dennoch leicht aus dem Blick geraten beim Einsatz und dem Wirbel um die ganzen praktischen, materiellen und formellen Anliegen. Deshalb wollen wir euch hier zum Schluss das Prinzip der Allmende ans Herz legen, das wir – wie der Name unserer Initiative schon zum Ausdruck bringt – als wegweisend empfinden.

In aller Kürze: Was bedeutet eigentlich Allmende? Allmende ist die deutsche Übersetzung für Commons. Klassischerweise bezeichneten Allmenden Weiden oder Wälder, die von einer Gemeinde gemeinsam genutzt und gepflegt wurden. Produktiv nutzbarer Boden ist aber keineswegs die Haupteigenschaft, die Allmenden – und schon gar nicht moderne Allmenden – ausmacht. Laut Silke Helfrich (2009) bringen Commons eine soziale Beziehung zum Ausdruck. Es gibt sie überall dort, wo Menschen gemeinschaftlich eine Ressource schaffen, benutzen und pflegen und gemeinsam die Zugangs- und Nutzungsrechte auf diese Ressource gestalten. Diese Gestaltung der Spielregeln ist ein ständiger Aushandlungs- und Organisationsprozess und wird Commoning genannt. Commons werden also durch das Commoning zwischen den beteiligten Menschen aktiv geschaffen und am Leben erhalten.

In diesem Kapitel haben wir an mehreren Stellen auf die Wichtigkeit von einem möglichst offenen und partizipativen Gründungsprozess hingewiesen. Dieser kann als Commoning gedacht und gestaltet werden: Wer, was, wie ist alles in Berührung mit den Ressourcen (Stadtraum, Boden, Pflanzen, Wasser etc.), die diesen Garten ausmachen? Die betreffenden Menschen mit ihren womöglich diversen Interessenlagen sollten dazu eingeladen werden, sich in den Aushandlungs- und Gestaltungsprozess und darüber hinaus im Alltag des Gartens zu beteiligen. Abgesehen von den Leuten, die den Garten gründen, und denjenigen, die dort gärtnern, sind auch andere Gruppen mit dem Geschehen im Garten in Berührung: die direkte Nachbarschaft, die den Garten noch als Brache kennt, lokale Akteure, die sich über Verbündete im Kiez freuen, die Stadtverwaltung, die für die ehemalige Brache eine Nutzung sieht, Projekte, die sich ebenfalls mit Gärten und verwandten Themen beschäftigen. Sie alle können etwas zu dieser neuen Allmende beitragen!

Sicherlich werden nicht alle gleichermaßen daran beteiligt sein, den Garten als räumlichen, sozialen und politischen Ort zu gestalten, und das ist gut so! Denn Commoning bedeutet auch das Verhältnis zwischen Teilhabe, Mitbestimmung und Verantwortung der Situation angepasst und gerecht zu vermengen (siehe Kapitel VI). Wie das im Konkreten aussieht, hängt von vielen Faktoren wie Arbeitsaufwand, vorhandenen fachlichen Kenntnissen, juristischem Rahmen etc. ab, und die kann man nicht voraussagen. Doch das Prinzip der Commons, kraftvoll und vielversprechend, verdient einen zentralen und sonnigen Platz in unseren Gärten – sie sollen gedeihen! Die Früchte sind mit Sicherheit vielfältig und überraschend.

Das Buch „Wissen wuchern lassen – Ein Handbuch zum Lernen in urbanen Gärten“ kann für 18 EUR im Buchladen erworben oder portofrei beim AG SPAK Verlag bestellt werden. Es steht online zum kostenlosen Download bereit.

Linzer Bodentag

Das Bodenbündnis und die Stadt Linz laden am 31. Mai zum Linzer Bodentag 2014. Rund um das Thema Gemeinsam Gart´ln finden den ganzen Tag Aktivitäten im botanischen Garten und in 5 Gemeinschaftsgärten im Raum Linz statt. Ein paar Highlights aus dem umfangreichen Programm:

  • Von 11-12 Uhr führt Katja Hintersteiner durch den Bodenlehrpfad im botanischen Garten und erklärt die verschiedenen Bodentypen Österreichs.
  • Im Donaugarten in Urfahr wird ein Insektenhotel gebaut und findet ein Vortrag zum Thema „Garten als Gemeingut“ statt.
  • Im Gartenlabor in Leonding gibt’s von 15-18h ein offenes Picknick.
  • Der Leisenhof bietet ab 15:30 eine Gartenführung.
  • In der Tabakfabrik wird im Laufe des Nachmittags gemeinsam ein Hochbeet gebaut.
  • Der Hafengarten veranstaltet ab 14h eine Wildkräuterwanderung mit der Kräuterpädagogin Gabriele Peham.

Alle Infos im Veranstaltungsfaltblatt Linzer Bodentag 2014.

Linzer Baumschutz-Charta

Ende April legten mehrere Linzer Bürgerinitiativen die Linzer Baumschutz-Charta vor. Wir reproduzieren hier ihre Presseaussendung vom 7.5.2014 und bitten euch um Unterstützungs-Unterschriften.

LINZ. Die Schlägerung der Silberweiden am Urfahraner Donauufer brachte das Fass zum Über­laufen. Verschiedene Linzer Bürgerinitiativen, die in der Vergangenheit mehrfach gegen Baumfällun­gen protestiert hatten, haben sich Ende April zu einer gemeinsamen Plattform zusammen ge­schlossen. Ihre Forderungen an Stadt- und Landesregierung haben sie in der Linzer Baumschutz-Charta formuliert, die sie am 23.4. der für die Grünanlagen zuständigen Stadträtin Susanne Wegscheider (VP) und der Leiterin der Stadtgärten, DI Barbara Veitl, übergeben haben. Weiterlesen

Akademiker stellen Open Source Saatgut vor

Eine Gruppen von Wissenschaftlern und Lebensmittelaktivisten aus dem Umfeld der Universität Wisconsin-Madison starteten am 17. April eine Kampagne um auf die Problematik von Patenten bei Saatgut aufmerksam zu machen. Sie veröffentlichen verschiedene Gemüse- und Getreidesorten unter einer Open Source Lizenz die sicher stellt, dass Bauern, Gärtner und Pflanzenzüchter die Samen jederzeit tauschen und weiterzüchten können.

Die Open Source Seed Pledge, die allen Saatgutpackungen beiliegt.

Die Open Source Seed Pledge, die allen Saatgutpackungen beiliegt.

Unter den insgesamt 29 neuen Varianten befinden sich Brokkoli, Sellerie, Grünkohl, Quinoa und andere Gemüse- und Getreidesorten. „Gemüse ist Teil unseres gemeinschaftlichen Kulturerbes und unser Ziel ist es, dass diese Samen im öffentlichen Eigentum und damit frei für den zukünftigen Gebrauch bleiben“, sagt Professor Irwin Goldman vom Gartenbauinstitut der Universität. Er ist einer der Initiatoren der Kampagne und nennt als seine Motivation die vor 20 Jahren gängige Praxis des freien Austausches von Saatgut unter Pflanzenzüchtern.

Heutzutage sind Samen intellektuelles Eigentum und manche sind patentiert. Man braucht eine Berechtigung vom Patenthalter um sie zu verwenden und man darf sie nicht ernten um sie nächstes Jahr wiederzusäen.

Darum wurde 2011 die Open Source Seed Initiative ins Leben gerufen, sie publizierte die verwendete Lizenz, die sogenannte Open Source Seed Pledge. Die Idee ist ähnlich wie bei Open Source Software Lizenzen, die Freiheit der Weiterverwendung sicherzustellen. Sie ist sehr kurz gehalten und liegt allen ausgesendeten Samen bei, hier eine freie Übersetzung:

Diese Open Source Saatgut Zusicherung beabsichtigt, dir die Freiheit zu geben, das hierin enthaltene Saatgut wie auch immer zu verwenden und sicherzustellen, dass diese Freiheit auch alle nachfolgenden NutzerInnen genießen. Mit dem Öffnen dieses Paketes gibst du die Zusicherung, dass du den Gebrauch der Samen und ihrer Derivate durch Dritter weder durch Patente, Lizenzen oder andere Mittel einschränkst. Du versicherst, dass die Weitergabe der Samen und ihrer Derivate diese Zusicherung enthält.

Der Soziologe Jack Kloppenburg sagt, dass die Initiative vor allem ein symbolischer Akt ist um auf die Konzentration mi Saatgutbereich und die Macht der Saatgutkonzerne aufmerksam zu machen. Er meint, dass es sich um eine Art biologishces Meme handelt, etwa mi Sinne von: “Befreit das Saatgut! Saatgut dass von jedem verwendet werden kann!“

365 Tage im Apfelhain

Diese sehenswerte Dokumentation begleitet ein Jahr hindurch das Leben im Apfelhain. Hinter der scheinbaren Idylle spielt sich Tag für Tag Dramatisches ab. Ein funktionierendes Biotop wie dieser naturnahe Apfelhain bietet Schädlingen und Nützlingen eine Fülle an Nahrung und Nischen.

Die kleine Welt im Apfelbaum“ von Arte zeigt wie Obstbau nach Permakulturprinzipien funktionieren kann. Weiterlesen